CD-Debüt: Die Bielefelderin Nelly von Alven überzeugt auf "Canto Spirituoso" mit zeitgenössischen Werken und einer Eigenkomposition

VON THOMAS KLINGEBIEL

Bielefeld. Ihre ersten Gitarrengriffe lernte Nelly von Alven an der Musik- und Kunstschule Bielefeld. Mit dem "Bielefelder Gitarrenensemble" ging sie später auf Konzertreisen und feierte Festivalerfolge. Nach einigen Semestern in Wuppertal setzt sie ihr Musikstudium zurzeit im Masterstudiengang am Royal College of Music in London fort. Dass die 25-Jährige Bielefelderin längst zu den vielversprechenden deutschen Gitarrentalenten gehört, unterstreicht sie mit ihrer Debüt-CD "Canto Spirituoso".

Nelly von Alven hat für ihre erste Aufnahme zeitgenössische Originalkompositionen für Gitarre sowie eine dreisätzige Eigenkomposition ("Three Memories") ausgewählt. Das Titelstück "Canto Spirituoso" stammt von dem bulgarischen Meistergitarristen Rossen Balkanski, der es dem "Sinaia Guitar Festival" in Rumänien widmete. Nelly von Alven bringt in ihrer Ersteinspielung sowohl den melancholisch-melodischen Charakter des Stücks als auch die temperamentvollen Ausbrüche des Mittelteils packend zur Geltung. Die großen spieltechnischen Herausforderungen meistert sie virtuos. Von Rossen Balkanski stammt auch das verträumte "Nocturne" im 7/8-Takt, das als zweites Stück erklingt. Miroslav Tadi¼s "Macedonian Girl" vereint volksliedhafte Schlichtheit mit komplexer Variation. In Sérgio Assads "Farewell" beweist Nelly von Alven, dass sie auf ihrem Instrument auch mit weniger Tönen viel zu sagen vermag. Melodie und Klang lässt sie auch in Simone Iannarellis "Variazoni", einem Tombeau für den russischen Pianisten Sergei Rachmaninow, erblühen. Mit ihren drei kleinen "Erinnerungen" stellt sich von Alven selbstbewusst und profund in die von ihr geschätzten Gitarrenschulen.

Mario Castelnuovo-Tedesco Suite op. 133, ein farbenreiches, von Tempowechseln, geprägtes Bravourstück, bildet das furiose Finale des beeindruckenden CD-Debüts. (Erhältlich über www.wachtmann-musikproduktion.de )