Sommerakademie der Musik- und Kunstschule vereint mehrere Generationen

VON HEIDI HAGEN-PEKDEMIR

Bielefeld. Tack, tack, tack, hallt es monoton durch die Gänge. Mit jedem Schlag des Knüpfels löst sich feiner Staub aus dem Thüster Kalkstein. Der zuvor grobe Klotz nimmt unter den Händen von Silke Kurth (47) langsam Form an. Die Teilnehmerin der Sommerakademie an der Musik- und Kunsthalle hat am Ende der Woche ihr Werk vollendet, eine kauernde Gestalt.

 

Lärchenholz-Schalen, Skulpturen aus Ytong und tönerne Deckeldosen in Gestalt fantastischer Fabelwesen haben die 16 Teilnehmer des Kurses „Bildhauerei rundum" bei Markus Jung geformt. Ihr Alter: 8 bis 72 Jahre. Dazu Dietrich Schulze, Leiter der Sparte Kunst: „Erfahrene Hobbykünstler sind darunter und auch blutige Anfänger."

Die Mischung unterschiedlicher Altersstufen gefällt vor allem Christiane Wunschel (72). Die ehemalige Lehrerin umschreitet ihre fast fertige Skulptur und begutachtet sie von allen Seiten. Ein Gesicht, das tiefe Linien durchziehen, hat sie in der zurückliegenden Woche in den Klotz aus Lindenholz eingeritzt, der Arbeitstitel: Wächter des Lichts .

Anstrengend sei die Arbeit, gibt die Künstlerin zu. Als belebend habe sie dabei die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen empfunden. „Wir haben viele interessante Gespräche geführt." Beeindruckt hat sie besonders die Unbekümmertheit der Jungen und Mädchen .

Am Tisch daneben blicken Mailynn Schreiner (11) und Johanna Linnenbrügger (12) von der Gesamtschule Brackwede kurz auf und lächeln. Die Ältere formt gerade den zähen, grauen Ton zu einem Kleeblatt. Mailynn zeigt stolz ihre Skulptur aus weißem Ytong. „Papa" hat sie darin eingraviert, ein Geschenk für den Vater.

Fünf Tage ohne Unterbrechung an einem Kunstwerk arbeiten, für Marie-Luise Marufke (54) erfüllt sich damit ein Traum. „Ich mag diese Kurse nicht, die nur einmal pro Woche angeboten werden." Die Erzieherin greift wieder nach ihrem Knüpfel. Bloß keine Zeit verlieren. Früher hat sie mit Speckstein gearbeitet. In diesem Jahr sammelt sie erste Erfahrungen mit Holz.

Ein Muskelkater hat sie bisher verschont. „Markus zeigt uns die richtige Technik", sagt Marufke. „Immer das Handgelenk schön fest halten und das Gewicht des Hammers nutzen", ermahnt sie ihr Lehrer.

Der dritten Akademie wird die vierte folgen, verspricht Schulze. Dafür wird es ein Motto geben. „Für unsere Dozenten ist es eine tolle Sache, mit ihren Schülern täglich vier Stunden lang Themen zu vertiefen."